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Das Blog Santa Precaria berichtet über prekäre Beschäftigung

Posted on: 24. Februar 2009

Santa Precaria - Blog

Santa Precaria - Blog

Christian hat mich eingeladen, das Blog „Santa Precaria hier vorzustellen. Diese Einladung folgt einer anderen Einladung – denn er war es auch, der mich im Herbst 2008 gebeten hat, Mitautorin auf diesem Blog zu werden.
Christian und ich kennen uns noch immer nicht persönlich (er in Wien, ich in Linz). Der Kontakt ist entstanden, weil ich in einem Gewerkschaftsblog kommentiert habe – die Vernetzung über das Internet funktioniert also doch ;-).

Ich habe die Einladung mitzubloggen gerne angenommen, weil mich das Thema des Santa Precaria-Blogs, die prekäre Arbeit, durch meine berufliche Tätigkeit im Kunst- und Kulturbereich beständig beschäftigt. Und ich blogge gerne, ich betreibe auch ein „privates“ Blog (andrea me), wo ich mehr oder minder regelmäßig über Kultur, Bildung, Politik, Theologie, Feminismus, … schreibe.

Santa Precaria entstand im Januar 2008 – ausgehend von einem im Februar 2008 durchgeführten Aktionstag für die in Italien erfundene Schutzheilige der prekär Beschäftigen, die Santa Precaria.
Das Blog wird über diese Aktion hinaus mit weiteren Informationen und Diskussionsbeiträgen rund um das Thema gefüllt.

Notwendig ist diese Vernetzungsplattform allemal, denn immer mehr Menschen arbeiten in nicht-regulären Beschäftigungsverhältnissen oder können von ihrer Arbeit nicht leben („working poor„). Längst ist das keine Randgruppe mehr, sondern prekäre Arbeit, die zumeist mit atypischen Beschäftigungsformen (freier Dienstvertrag, Scheinselbständigkeit) verbunden ist, findet sich in allen Branchen und Bereichen, in der Stadt wie am Land, in allen Bildungsschichten, in allen Altersgruppen.

Santa PrecariaSchutzheilige für alle Prekarisierte
Die Putzfrau, die plötzlich „selbständig“ ist, weil sie künftig ihre Arbeitsmittel auch selbst kaufen muss, ist davon genauso betroffen wie eine Akademikerin, die als externe Universitätslektorin und in Wissenschaftsprojekten tätig ist. Es trifft den Fahrradboten genauso wie den Bildenden Künstler, der, weil seine Kunst trotz Preisen und Auszeichnungen unzureichend gefördert wird, in der Kunstvermittlung einer öffentlichen Kunstinstitution tätig ist.

Allen gemein ist eine schwierige Lebenssituation, die durch die prekäre Arbeit verursacht wird, die mangelnde soziale Absicherung in Fall von Krankheit, Unfall, Arbeitslosigkeit, die schlechte, unregelmässige, oft unsichere Bezahlung und die fehlende Möglichkeit, Zukunft zu planen bis hin zur schlechten oder mangelnden Pensionsvorsorge.

Der Sozialstaat in Österreich orientiert sich am „männlichen Normalarbeitsverhältnis“, das für die meisten Menschen sowieso nie normal war, z.B. weil sie ihre Erwerbstätigkeit für Zeiten der Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen unterbrochen haben. Jetzt, in den letzten etwa 15 Jahren, beim Rückbau dieses Sozialstaates, sind all jene, die „am Rande“ dieses sozialen Sicherungssystems stehen besonders betroffen – und rutschen ab in prekäre Arbeitsverhältnisse, die sie noch einen Schritt weiter weg führen von guter existenzsichernder Arbeit.
Dass in Österreich mehr als eine Million Menschen armutsgefährdet ist und gleichzeitig 10% der Reichsten 54% des gesamten Geldvermögens besitzen, ist eine Schande – und das ist neben einer ignoranten Politik der Regierungen der letzten Jahre die eigentliche Ursache der prekären Beschäftiungsverhältnisse und der damit verbundenen Folgen für die betroffenen Menschen.

Das Blog Santa Precaria will wenigsten einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass sich etwas ändert. Gesellschaftliche AkteurInnen wie die Gewerkschaft (work@flex) oder die Kirchen bemühen sich in den letzten Jahren um dieses Thema, aber leider oftmals zu wenig offensiv und nachhaltig. Prekär Beschäftigte sind in den gewachsenen Vertretungsstrukturen der arbeitenden Menschen nicht oder kaum vertreten und haben so im (leider) sozialpartnerschaftlich geprägten Österreich keine Stimme.
Kollektivvertragsverhandlungen im stillen Kämmerchen gehen an diesen Menschen vorbei, weil sie meistens gar nicht einmal von einem Kollektivvertrag erfasst werden und wenig vernetzt sind. Ich kenne auch traurige Beispiele, das sich BetriebsrätInnen nur für die fix Angestellten, aber nicht die prekär Beschäftigten eines Unternehmens zuständig fühlen.

Das alles muss sich ändern – denn der erste Schritt für Verbesserungen ist eine Solidarisierung der Betroffenen. Und in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise ist auch klar, dass die heute Fixangestellten bald auch „Freie“ und „Prekäre“ sein können oder einfach arbeitslos.

Darum hier eine herzliche Einladung:
Santa Precaria ist Raum für Erfahrungsberichte darüber, wie Unternehmen mit „ihren“ prekär Beschäftigten MitarbeiterInnen umgehen, für Vernetzung und Austausch zum Thema. Meldet euch einfach bei Christian, wenn Ihr etwas zum Thema beitragen könnt oder schreibt einen Kommentar. Oder verlinkt die Schutzheilige der Prekären in der Blogroll eurer Betriebsratsblogs.

Ich freue mich drüber und Santa Precaria wird es euch danken!

Blog-Vorstellungen (Gastbeiträge) bisher:

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