eBetriebsrat

Was fördert die interne Kommunikation?

Posted on: 3. Februar 2010

Blogeinträge unterliegen derselben Schnelllebigkeit wie Zeitungsartikel und nichts ist bekanntlich älter als die Zeitung von gestern. Genau das wissen schließlich auch die Herausgeber der Printmedien, weshalb zur Aufrechterhaltung der Spannung immer wieder Neues veröffentlicht werden muss.

Seit wenigen Tagen ist unser MitarbeiterInnen-Blog von der Außenwelt abgeschnitten. Nach fast genau sieben Monaten und 46 ausschließlich von mir verfassten und veröffentlichten Artikeln wurde mir seitens unserer Geschäftsleitung nahegelegt, unser stolzes „Betriebsrats-Flaggschiff“ in die Anonymität zu versenken. Es darf freilich ein internes Kommunikationsmedium bleiben, mehr jedoch nicht.

Nach einer turbulenten Eingewöhnungsphase wähnte ich mich, allen Unkenrufen zum Trotz, im Sommer des vergangenen Jahres bereits in Sicherheit. Das Blog wurde allseits angenommen und ich sah mich vor, Inhalte zu veröffentlichen, derentwegen man mir einen Strick hätte drehen können. Freilich, wo ein Wille ist, ist auch immer ein Weg.

Auslöser für die nun kürzlich neu entbrannte Debatte für oder gegen das Betreiben eines öffentlichen Blogs durch den Betriebsrat war ein Vorfall, der so meinte man, erst bewusst gemacht hätte, dass auch Außenstehende, denen die URL unbekannt war, über den Blog der Gegenöffentlichkeit auf unser Blog Zugriff erhielten. Freilich hatte ich daraus nie ein Hehl gemacht. Dadurch, so wurde argumentiert, bestünde die Gefahr, dass interne Informationen, Sachverhalte und personenbezogene Daten jedweder Art unbefugten in die Hände fallen könnten. Kurz, das Projekt darf nur mehr unter den geänderten Rahmenbedingungen fortgeführt werden.

Offen bleibt die Frage, ob die neue Situation zu einem geänderten Verhalten im Hinblick auf ein aktiveres Engagement unserer Belegschaft führen kann.

Dass Kommentare von KollegInnen in eher spärlichem Ausmaß eingegangen waren, darf auf unterschiedliche Ursachen zurückgeführt werden. Etwa auf die Auswahl der Themen, den stilistischen Ausdruck des Schreibers, vielleicht waren auch die Inhalte zu wenig spektakulär und haben so das von mir erhoffte Echo ausbleiben lassen. Selbstkritik kann auch hier nicht schaden!

Oder war es viel mehr die Sorge der KollegInnen, sie könnten sich in der Wortwahl vergreifen und schließlich den Kopf zu weit herausstrecken. All diese Sorgen und Ängste verleiten rasch zu jenem Vermeidungsverhalten, das jegliches Engagement im Keim ersticken lässt. Nun, das Argument, dass sich Mitarbeiter durch das Faktum der Öffentlichkeit des Blogs vom aktiven Mitmachen haben abhalten lassen, sollte sich schon in naher Zukunft als richtig oder eben falsch herausstellen.

Wer meint, dass verstärkte Außengrenzen jene Sicherheit gewährleistet, die zu angstfreierem Verhalten im Inneren führt, muss dafür Sorge tragen, dass von Innen keine Gefahr droht.

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7 Antworten to "Was fördert die interne Kommunikation?"

Servus Hans,
auf welcher rechtlichen Grundlage soll das basieren?

Hallo Peter,
danke für deine gute Frage! Wollte mich in dieser heiklen Angelegenheit, bei der es eben auch um den Schutz persönlicher Daten von Mitarbeitern ging nicht auf eine endlose u. vermutlich kaum zielführende Debatte einlassen, auch weil ich den dafür nötigen Rückhalt im BR-Gremium vermissen musste.
Werde nun versuchen, so es weiter gewollt ist, eine interne Plattform aufrecht zu erhalten, andererseits verstärkt dieses ebetriebsratsblog zur Kommunikation nach außen nützen!

Zur rechtlichen Grundlage: Ich denke, es gibt schlichtweg keine rechtliche Grundlage zum Verbot eines öffentlich zugänglichen Blogs. Es geht einfach darum: Wer hat die Macht, die Kommunikation zu steuern und das Bild eines Unternehmens in der Öffentlichkeit zu defrinieren: Die Belegschaft und ihre Vertretung oder nur die Unternehmensleitung?

Nach § 115 Abs 4 ArbVG darf ein Betriebsrat natürlich keine Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse ausplaudern oder persönliche Verhältnisse oder Angelegenheiten der Arbeitnehmer, die ihrer Bedeutung oder ihrem Inhalt nach einer vertraulichen Behandlung bedürfen. Das gilt nicht nur für Blogs, sondern für jede Form der Kommunikation.

Im ArbVG ist nur von der Verschwiegenheitspflicht über konkrete Informationen zu lesen, nichts von der Rechtsmäßigkeit oder Unrechtmäßigkeit interner, aber öffentlich zugänglicher Medien – seien sie gedruckt oder digital. Das Arbeitsverfassungsgesetz jedenfalls schränkt die Informationsfreiheit (die Freiheit, Informationen zu erhalten, wie auch sie zu versenden) nicht ein. Sie ist vielmehr ein demokratisches Grundrecht.

Ja, wenn sich der BR nicht einig ist, dann muß es wohl so gehen …
Viel Glück, Hans!

[…] Ein ausgezeichneter aber unerfreulichen Gastbeitrag erscheint hier im eBetriebsrat-Blog unter dem Titel ‘Was fördert die interne Kommunikation‘. Der Bericht eines Betriebsrats wird im Blog und an anderer Stelle umfangreich diskutiert. Ist das letzte Wort gesprochen?: “Seit wenigen Tagen ist unser MitarbeiterInnen-Blog von der Außenwelt abgeschnitten. Nach fast genau….” […]

[…] Ein ausgezeichneter aber unerfreulichen Gastbeitrag erscheint hier im eBetriebsrat-Blog unter dem Titel ‘Was fördert die interne Kommunikation‘. Der Bericht eines Betriebsrats wird im Blog und an anderer Stelle umfangreich diskutiert. Ist das letzte Wort gesprochen?: “Seit wenigen Tagen ist unser MitarbeiterInnen-Blog von der Außenwelt abgeschnitten. Nach fast genau….” […]

[…] Link zu Hans Reiter, “Was fördert die interne Kommunikation?”:  hier under: praktisches Beispiel « Unternehmenskommunikation Externe […]

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